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Verstricke dich nicht in Spiele, die Du nicht gewinnen kannst
Saturday, 23 December 2006
Viele Aspekte unseres Lebens sind denen von Spielen sehr ähnlich. Es gibt bestimmte Regeln, unterschiedliche Strategien und, natürlich, verschiedenartige Gewinne. Kein Spiel verdient es aber gespielt zu werden, wenn man nicht wenigstens die Chance auf irgendeine Belohnung hat.
Da eben so viele Aspekte unseres modernen Lebens genau diesem Muster folgen, ist es in der Tat manchmal schwierig nicht zu dem Schluss zu kommen, dass wir alle in einer Art Spiel feststecken. Die Karriere ist ein Spiel in dem Geld und Status als Belohnung winken. In der Liebe sind es Glück und Nachwuchs. Im Beruf wiederum Geld und Status. Und auch Freundschaften sind Spiele voller interessanter und subtiler Belohnungen.
Was mir über die Jahre hinweg aufgefallen ist, ist dass die Erfolgreichen sich oft durch die Wahl ihrer Spiele definieren. Leider gilt dies auch für die Erfolglosen, jene die sich in Spielen mit wenig Belohnung und noch weniger Gewinnchancen verstricken.
Das klassische Beispiel hierfür wäre das Glücksspiel. Australien, das Land indem ich wohne, ist eines der Länder mit dem höchsten Pro-Kopf-Einsatz bei Glücksspielen. Die rezenteste Statistik besagt, dass hier jährlich durchschnittlich $2000 von jedem Mann, jeder Frau und jedem Kind verspielt werden. Natürlich reflektiert dieser Durchschnitt nicht die Wirklichkeit. Die meisten Leute spielen nie, aber einige spielen sehr viel. Und diese sind auch fast immer große Verlierer in dem noch größeren Spiel, welches sich Leben nennt.
Wieso?
Weil Glücksspiele so konzipiert sind, dass es fast unmöglich ist über längere Zeit zu gewinnen. Sicher, manchmal kann man gute Tage haben und mit mehr Geld heimgehen als man mitgebracht hat, aber der durchschnittliche Spieler ist quasi dazu verdammt zu verlieren. Denn die Spiele enthalten Regeln die sicherstellen, dass das Haus am Ende fast immer gewinnt.
Glücksspieler wählen also ein Spiel aus, welches unmöglich zu gewinnen ist, und spielen es wie besessen. Aber sie sind nicht die einzigen.
Ich bin auch oft überrascht wie viele Beschäftigte in großen Firmen an einem Spiel teilnehmen, welches sie nicht gewinnen können. In den meisten großen Unternehmen ist die alljährliche (oder regelmäßige) Beurteilung deiner Arbeit durch deinen Boss die Basis deines Erfolges. Auf den ersten Blick scheinen diese Beurteilungen oft fair und unbefangen, jedoch sind sie es, meinen Beobachtungen nach, im Endeffekt sehr selten.
Weltweit benutzen Manager die Möglichkeit einer schlechten Beurteilung als Drohung, welche dann wie ein Damoklesschwert über den Köpfen ihrer Angestellten hängt. Sie benutzen sie um ihre Leute zu motivieren, anstatt sie danach zu messen. Ich begegne ständig Angestellten die hart arbeiten, engagiert und kompetent sind und doch werden ihnen schlechte Beurteilungen angedroht und viele erhalten diese sogar. Denn die zuständigen Manager scheinen der Meinung zu sein, dass wenn sie ihre Mitarbeiter belohnen und ihnen sagen würden dass sie eine gute Arbeit leisten, automatisch Motivationsmangel die Folge sei.
Und diese Drohungen funktionieren!
Hoch qualifizierte Leute haben oft große Angst vor schlechten Beurteilungen, da diese ihren aktuellen Lebensstandard gefährden würden. Denn wie soll man das teure Auto, das noch teure Haus und die Konsumentenkredite zurück bezahlen, wenn man plötzlich zurück gestuft würde? Diese Angst treibt sie dann an noch härter und noch länger zu arbeiten.
Sie haben aber nicht den Erfolg den sie sich erhoffen, da sie in einem manipulierten Spiel teilnehmen, das quasi nicht zu gewinnen ist. Jedoch verdrängen sie diese Realität ebenso wie die Glücksspieler und reden sich ein dass sie doch irgendwann zu den Gewinnern zählen werden. Die meisten liegen damit jedoch falsch.
Das dritte klassische Beispiel eines Spieles, welches man nicht gewinnen kann, ist die missbrauchende Partnerschaft. Die Partnerin investiert Herz und Seele in eine Beziehung zu ihrem Mann, und dieser dankt es ihr indem er sie misshandelt. Eine typische Szene wäre diese: er komm betrunken nach Hause, schlägt sie, wacht dann morgens auf und entschuldigt sich über alle Massen. In diesem Moment der Entschuldigung scheint ihre gemeinsame Liebe stärker denn je. Er erklärt ihr, dass er sich unendlich schämt, dass sie die Liebe seines Lebens ist und dass er sie nie wieder schlagen wird. Und sie glaubt ihm. Bis er nächstes Mal wieder sturzbetrunken nach Hause kommt und alles von vorne anfängt.
Normalerweise hat die misshandelte Partnerin in solchen Beziehungen die (zumeist) illusorische Hoffnung, dass sich die Situation bessern wird. Sie ist überzeugt, dass wenn sie nur das Richtige tut oder sagt, sich alles ändern und zum Guten wenden wird. Und sie bis in alle Ewigkeit mit ihrem geläuterten, und jetzt wunderbaren, Partner glücklich sein kann.
Meistens täuscht sie sich jedoch. Es gibt keine magischen Wörter oder Taten die sein Verhalten ändern würden. Sie hat nur zwei Möglichkeiten: weiterhin die Misshandlungen zu erdulden oder zu gehen. Sie ist in einem Spiel gefangen, welches sie nicht gewinnen kann.
Im Leben ist es immer nützliche die Spiele zu analysieren an denen du teilnimmst - ob im Büro, in der Wirtschaft, in der Liebe, oder bei Freundschaften - um herauszufinden wie sie funktionieren. Und ob du gewinnen kannst. Oder zumindest die Chance dazu hast.
Betrachte das Spiel nüchtern. Ignoriere die schönen Worte die benutzt werden um es attraktiver zu machen: "1 Million im Jackpot!", "Alle Bewertungen sind fair und unabhängig!", "Ich liebe dich und werde dir nie mehr weh tun!". Und versuche stattdessen die Mechanismen dahinter zu erkennen. Sei ehrlich in deiner Analyse, untersuche die Dinge so wie sie sind, nicht wie du sie haben möchtest.
Die Spiele, an denen du teilnimmst, bestimmen zum großen Teil, ob du erfolgreich oder erfolglos sein wirst. Darum analysiere sie sorgfältig.
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