Lifehacks







Die 9 Ebenen bis zum Expertentum

Saturday, 23 December 2006

Ich habe in meinem Leben viele verschiedene Dingen Leben ausprobiert, sei es nun im Sport, als Autor oder als Unternehmer. Und während diesen Aktivitäten ist mir aufgefallen, dass verschiedene Schritte notwendig sind, um die jeweiligen Fähigkeiten zu verbessern. Diese sind natürlich von Bereich zu Bereich ein wenig verschieden, jedoch scheinen sie generell ähnlich. Ich dachte mir es sei eine gute Übung diese aufzuschreiben.

Um diese Schritte jeweils zu illustrieren nehme ich meine Karriere in der Software-Entwicklung als Beispiel. Ich wurde auf diesem Gebiet über einige Jahre hinweg sehr gut bezahlt und werde von anderen, auch gut verdienenden, Leuten mit denen ich zusammen gearbeitet habe, als Experte eingeschätzt.

Die Fachkenntnis liegt, wie die Schönheit, in den Augen des Betrachters. Ohne Zweifel würden Software-Entwickler von Google oder dem MIT mich als nicht ebenbürtig bezeichnen - und sie hätten Recht. Aber ich habe genug Erfolg und Wissen um von Durchschnittsmenschen sicher als Experte in meinem Bereich angesehen zu werden.

Okay, genug der Erklärungen. Fangen wir an:

1. Ebene: Entdeckung und Interesse

Der Pfad zum Expertenwissen beginnt, wenn man zum ersten Mal seinen Interessenbereich entdeckt. Ohne Zweifel gab es eine Zeit in der Einstein noch nichts von Physik gehört hatte, Mozart nicht eine Note gespielt hatte und Tiger Woods noch keinen einzigen Golfschläger in der Hand gehalten hatte.

Die meisten Leute, die schlussendlich Experten in ihrem Bereich werden, verlieben sich fast immer auf Anhieb in ihren Interessenbereich wenn sie ihn entdecken. So wie das bei mir auch der Fall mit Computern war. Als ich, als kleiner Junge, zum ersten Mal Zugang zu einem TRS-80 (einem der allerersten Heimcomputer) erhielt, bekamen mich meine Eltern nur mit viel Mühe wieder davon weg.

Dieser Schritt enthält meistens große Besessenheit und einen starken Wunsch soviel wie möglich Zeit in das neue Hobby zu investieren. Meistens sind die Resultate aber noch sehr amateurhaft zu diesem Zeitpunkt.

2. Ebene: Sich selber weiteres Wissen beibringen

Anfänglichem Interesse und Spaß folgt das motivierte Selbststudium. Ein Golfer geht zum lokalen Golfplatz und schlägt ein paar Bälle, eine Pianistin bringt sich ein paar einfache Stücke bei, ein Software-Entwickler schreibt seine ersten kleinen Programme.

3. Ebene: Formelle Ausbildung

Dieser Schritt beinhaltet weiteres Lernen, jetzt aber mit einem Experten, und baut auf dem vorher erlernten Wissen auf. Es ist sehr selten dass man es ohne formelle Ausbildung zum Experten schafft. Dieses Expertencoaching vermittelt Führung, Disziplin und Feedback die beim Selbsterlernen einfach nicht vorhanden sind. In diesem Stadium verbessern sich die Fähigkeiten rapide zu einer Kompetenz.

4. Ebene: Ernüchterung und Erniedrigung

Ernüchterung erfolgt, wenn man das erste Mal gegen ernsthafte Konkurrenz antritt: der Versuch einen Job zu bekommen, die ersten paar Turniere, die ersten öffentlichen Aufführungen. In diesem Umfeld bläst der kalter Wind des Vergleichs mit jenen anderen, die härter, länger und ernsthafter gearbeitet oder trainiert haben als man selbst.

Dies ist eine sehr unangenehme Erfahrung, die anfängliche Freude an der Teilnahme wird ersetzt durch Ernüchterung. Auf jedem Gebiet gibt es Leute denen es richtig Spaß macht andere Leute, die weniger Fähigkeiten und Erfahrung haben, zu zertrümmern. Sie lieben es, diese als Möchtegerns bloßzustellen, dies es nicht würdig sind auf dem gleichen Platz zu spielen.

Wie den meisten, so ist auch mir dies passiert. In meinem Fall als ich versucht habe in der Software-Entwicklung Fuß zu fassen. Während der Vorstellungsgespräche gab es unausweichlich immer jemanden, der sich einen Spaß daraus machte mir Fragen zu stellen die ich nicht beantworten konnte, und der mich daraufhin deswegen herabsetzte. Die Botschaft war: "Du bist es nicht würdig mit jemandem wie mir zusammenzuarbeiten".

Dieser Schritt ist schrecklich, aber absolut notwendig. Er motiviert und öffnet einem die Augen gleichermaßen. Dies ist der Punkt der die Spreu vom Weizen trennt: entweder man gibt auf oder man entwickelt einen ungeheuren Willen es jenen die einen erniedrigt haben zu zeigen und diese dann sogar zu schlagen.

5. Ebene: Ernsthafte Versuche sich noch zu verbessern

Dies wird durch den vorherigen Schritt ausgelöst und führt zu harter Arbeit an sich selbst. Die Gegenwart der Rivalen motiviert die eigenen Fähigkeiten bewusst zu verbessern.

6. Ebene: Das Schlagen der ansässigen Rivalen

Eine Erkenntnis über die Leute, welche andere gerne im 4. Schritt erniedrigen, ist, dass diese selten so gut sind wie sie den Anfängern erscheinen. Im besten Fall sind es Experten unteren Ranges. Echte Experten haben meistens weder die Zeit noch die Lust um Anfänger zu erniedrigen. Sie sind sich bewusst dass sie selbst gut sind und haben es nicht nötig sich auf Kosten von leichter Beute zu beweisen.

Hast du diese Ebene erreicht, so bist du wahrscheinlich ein guter Durchschnitt auf deinen Gebiet. Vielleicht sogar schon ein bisschen mehr.

7. Ebene: Jugendliche Arroganz

Diese Stadium erreichte ich als man begann mich wirklich gut für meine Arbeit zu bezahlen. Ich bemerkte, dass ich besser war als die meisten von meinesgleichen - sogar jene die mehr gelernt hatten. Es fiel mir leicht mich um zuschauen und als die cleverste Person im Raum zu sehen.

Ich wusste dass ich eine Menge wichtiger Dinge nicht wusste, aber ich nahm an, dass dies für die meisten anderen auch der Fall war. Ich war der klassische dicke Fisch im kleinen Teich.

8. Ebene: Ikarus' Sturz vom Himmel

Dies passiert, wenn man aufhört mit den ziemlich großen Jungs (oder Mädchen) zu spielen und man anfängt, sich mit den Giganten zu messen. Plötzlich erkennt man schmerzlich, dass man nicht annähernd so clever ist wie man dachte!

Ich persönlich hab' einige gemütliche Jahre auf Ebene 7 verbracht ohne viel Energie in meine weitere Entwicklung zu stecken. Dann wurde ich eines Tages einem Team zugewiesen, welches wesentliche höhere Fachkenntnisse besaß als ich. Einige Monate lang habe ich dieses zu bestreiten versucht, ehe ich dann doch zugab nur ein gewöhnlicher Sterblicher zu sein und dass es an der Zeit wäre wieder ernsthaft die Bücher zu studieren.

9. Ebene: Die Erkenntnis dass man niemals Alles wissen wird.

Dies ist die Ebene auf der sich meiner Meinung nach die meisten Experten befinden. Sie wissen genug um zu wissen, dass sie nahezu nichts wissen. Natürlich sind sie dem Durchschnittsbürger meilenweit voraus, aber von echter Erkenntnis sind sie weit entfernt.

Ich erinnere mich an eine köstliche Geschichte über Alan Greenspan - dem langjährigen Vorsitzenden der US-amerikanischen Zentralbank. Er war ein sehr angesehener und geschätzter Wirtschaftswissenschaftler und wurde von vielen zum besten Zentralbankchef aller Zeiten erklärt. Und eben dieser Alan Greenspan hat anscheinend oft frisch gebackene Hochschulabsolventen (des Bereichs Wirtschaft natürlich) um ihre Meinungen gefragt und ihnen bedächtig zugehört. Dieses tat er selbst in der Anwesenheit lauter ausgewiesener Experten. Denn er hatte offensichtlich erkannt, dass er nicht alles wissen konnte und dass sogar Leute, die in der Hierarchie tief unter ihm waren, ihn aber immer noch etwas Neues lehren konnten.

In diesem Stadium erkennt man, dass Fachwissen nicht ein Ziel, sondern ein Weg ist. Eine lebenslange Reise, die nie ihr endgültiges Ziel erreicht - so schnell man auch zu laufen versucht.





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